Hochwasser in Ochsenfurt 2003

 
 
 
 
 
 

04.01.03 - 10.55 Uhr

Räumung des Campingplatzes in Frickenhausen
Steigende Wasserstände drohen die Campingwagen, Wohnmobile und Bootstrailer unter Wasser zu setzen. 
 





 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
05.01.03 - 16.50

Steigende Wasserstände drohen den Altort von Sommerhausen unter Wasser zu setzen.

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06.01.03 - 09.12 Uhr

Ölwehreinsatz in Frickenhausen, Segnitzer Str.

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Luftbildaufnahmen durch Luftbeobachter Kater Unterfranken 15-1

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Hochwasser in Ochsenfurt


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


 
 
06.01.2003
Main Post
Flut erreicht fast katastrophale Ausmaße

Ochsenfurt (aug/kri/LIRE) - Technisches Hilfswerk, Feuerwehren, Helfer und lokale Krisenstäbe im Dauer-Einsatz. Das Main-Hochwasser erreichte über das Wochenende ähnlich katastrophale Ausmaße wie die "Jahrhundertflut" von 1970. Inzwischen fallen die Pegel entlang des Flusses. 


Foto: Renate Lindner

Bangen und Gelassenheit gleichermaßen kennzeichneten die Stimmung am Samstag in Frickenhausen und Winterhausen. In beiden Orten waren Anwohner eifrig dabei, Keller und tief liegende Räume auszuräumen. Dennoch war deutlich zu spüren, dass die Menschen dort mit dem Hochwasser mit einer gewissen Routine umzugehen wissen. 

In Frickenhausen kam um 13 Uhr ein von Bürgermeister Ludwig Hofmann einberufener Krisenstab zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Das Wasser des Mains stand zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mehr einen halben Meter unterhalb der Schießscharten in der Stadtmauer, die als wunder Punkt gelten. Allerdings lag der Pegel zur gleichen Zeit in Trunstadt bei 7,10 Meter.
Etwa 28 Stunden später bedeutete dies völliges "Land unter" für Frickenhausens Altort. 





Unterdessen hatten sich die Bewohner der Richtung Main liegenden Gassen schon auf das Schlimmste vorbereitet. Hier und da mussten Öltanks gesichert oder gleich ausgebaut werden, Fenster und Türen wasserdicht verbarrikadiert und Sandsäcke gestapelt werden. Die Wasserpumpen liefen auf Hochtouren. Bis zum Mittag hatten Freiwillige 500 dieser Säcke an Anwohner verteilt.
Das Ortsinnere war für den Verkehr gesperrt, was sich aber schon dadurch erübrigte, dass das Untere Tor und die gesamte Hauptstraße unter Wasser stand. 

Bürgermeister Hofmann kritisierte indes den Krisenstab am Landratsamt Würzburg, der am Samstag nicht erreichbar gewesen sei. Das dürfe in solch einer Situation nicht sein, schließlich dürfe eine einzelne Gemeinde ja keinen Katastrophenalarm auslösen. Erneut bewährt hat sich nach Hofmanns Worten der "Quick-Damm", durch den die Anwohner länger Zeit hatten, ihre Anwesen vor den braunen Fluten zu sichern. Außerdem, so Hofmann weiter, steht dadurch das Wasser nicht so lange im Ort. Unermüdlich war die Frickenhäuser Wehr im Ort unterwegs, um Gebäude zu sichern,  Anwohner zu warnen und den Bootsverkehr aufrecht zu erhalten. 

Viele Neugierige 

Emsiges Treiben herrschte auch auf dem benachbarten Knaus-Campingplatz. Dort wurden reihenweise Wohnwagen heraus gezogen, um sie vor der Flut in Sicherheit zu bringen. Neben der großen Solidarität unter den Frickenhäusern waren leider auch zahlreiche neugierige Hochwasser-Touristen zu vermelden. 


Foto: FFOchsenfurt
Gestern Nachmittag konnte der Bürgermeister dann endlich von fallenden Pegeln berichten. Um zwei bis drei Zentimeter pro Stunde gingen die Wassermassen zurück. Eventuell, so Hofmann gestern, sei das Mainviertel bis heute Nachmittag wieder frei. 

In Winterhausen sagte Bürgermeister Wolfgang Mann am Samstag, dass "wir jetzt schon über dem Stand von 1995 sind". Damals waren ebenfalls große Teile des Innenortes voll Wasser gelaufen.

Die Alte Mühle am Main sowie das gegenüber liegende Gasthaus Anker in Sommerhausen waren nur noch über Stege erreichbar. Die braune Brühe überflutete die Bundesstraße 13. 

Am stärksten betroffen war in Winterhausen neben den ufernahen Häusern die Maingasse. Weil sie eine kleine Senke bildet, liefen dort reihenweise die Keller voll Wasser. Mitarbeiter des Bauhofes waren dort pausenlos mit Pumpen im Einsatz. In den Kanälen stand das Wasser bis wenige Zentimeter unterhalb der Oberkante.

Insgesamt standen in Winterhausen 50 bis 60 Häuser unter Wasser, die teilweise nur noch mit Booten oder über Stege erreichbar waren. Vom Hochwasser betroffen waren aber praktisch alle Anwesen von der Hauptstraße Richtung Main. Bürgermeister Wolfgang Mann hatte am Samstag Nachmittag eigenhändig Sandsäcke aus Würzburg geholt und 300 bis 400 Stück an die Winterhäuser verteilt. Der Sand stammte aus dem Sandkasten des Kindergartens. Landrat Waldemar Zorn machte sich am Samstag Nachmittag ein Bild von der Lage in Winterhausen. Am Abend rief der Bürgermeister etwa 100 Betroffene zusammen und sondierte mit ihnen die Lage. Auch in Winterhausen war die Feuerwehr pausenlos im Einsatz. Trotzdem sind viele Keller voll gelaufen. Bürgermeister Mann konnte die Hochwasser-Schäden gestern nicht einmal annähernd beziffern 

Hochwasserschutz bewährt 

In Ochsenfurt hat sich der Hochwasserschutz aufs Neue bewährt. Hinter dem Damm der Mainländebahn und den beiden geschlossenen Toren blieb alles trocken. Anwohner des Vorhofes schätzten, dass das Wasser ohne den Damm bis zum ersten Stock gereicht hätte. Bauhof-Mitarbeiter Dieter Fuß berichtete gestern von einer halbwegs entspannten Hochwasserlage in der Stadt. Der Höchststand des Mains habe am Schlößle 8,90 Meter betragen. Normal sind 1,80 bis zwei Meter. 


Foto: FFochsenfurt

Als der Hochwasser-Scheitelpunkt Goßmannsdorf am Sonntag gegen 20 Uhr passierte, lag der Wasserstand zwei Zentimeter über dem vom Hochwasser vom Januar 1982 und etwa zehn Zentimeter unter dem vom Februar 1970. Abzulesen war der Pegel an der Bahnunterführung beim Goßmannsdorfer Sportplatz, der am Sonntag völlig überschwemmt war. Vom vom völlig überfluteten Kieswerk Ruppert nahe des Sportplatzes trieben Container ab. Einer wurde gegen 15 Uhr aus der Staustufe bei Randersacker gefischt, berichtete ein Vertreter des Technischen Hilfswerkes (THW). Zwei andere hingen am Goßmannsdorfer Sportplatz fest und wurden vom THW gesichert. 

In Eibelstadt baute die Feuerwehr am Samstagmorgen eine Barriere im Stadtmauer-Tor auf. Am Sonntag ab 4 Uhr wurden die Pumpen eingeschaltet weil das Wasser aus den Kanälen drückte.
Gepumpt wurde auch am Maintor und in der Gabelgasse. Ein Stromausfall zwang die Feuerwehrleute zum Einsatz von Notstrom-Aggregaten, berichtete gestern Bürgermeister Heinz Koch. Die Feuerwehr war mit insgesamt 50 Mann im Schichtbetrieb rund um die Uhr im Einsatz.
Die Bevölkerung versorgte die Freiwilligen mit Essen und Trinken. Der Bürgermeister bezeichnete gestern das Hochwasser als "das höchste, das diese Generation erlebt hat." Trotzdem, so Koch konnten die Tore gehalten werden. Der Innenort sei trocken geblieben. 

In Sommerhausen wurde es am Sonntag an der Stadtmauer nahe der katholischen Kirche kritisch. Dort pumpte die Feuerwehr seit 5 Uhr früh.


Foto: FFochsenfurt

Einige Häuser im Ulrich-Gast-Weg waren geflutet, ebenso wie das Gasthaus "Zum Anker". Dort war gegen Mitternacht auch eine Mauer unterhalb des Außen-Ausschanks eingeknickt. Die Bundesstraße 13 war am Sonntagmorgen in Höhe der Mainbrücke überschwemmt und musste gesperrt werden. Bürgermeister Fritz Steinmann sind keine größeren Schäden bekannt. Er führte dies gestern auch auf die Umgehungsstraße zurück, die viel Wasser abgehalten habe.

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