Örtliche Gegebenheiten um 1500
Im Mittelalter zählte
die Stadt Ochsenfurt rund 400 Häuser, die dichtgedrängt innerhalb
eines doppelten Mauerringes
standen, der eine Fläche von rund 12,5 ha umschloss. Neben dem
Main, welcher im Norden des Mauerringes
entlangzog, standen etwa 14 öffentliche Brunnen und ein Mehrfaches
an Hausbrunnen als Wasserquelle zur Verfügung,
wenn ein Brand ausgebrochen war. Nicht nur in Friedenszeiten, insbesondere
wenn Krieg herrschte, waren die teilweise
aus Holzfachwerk erbauten Häuser, von denen manches mit Schilf
oder Stroh gedeckt war, leichte Beute für Brandpfeile
und Feuerkugeln, die der Feind bei Belagerungen einsetzte. Es war demnach
nicht nur Pflicht der Bürger, ihre Stadt
gegen Feinde zu verteidigen, sondern zu den Pflichten eines Ochsenfurter
Bürgers gehörte es auch, im Brandfall die
Feuerbekämpfung vorzunehmen.
Die Feuerordnung aus
dem Jahre 1518 bestimmte genau, was geschehen musste, "so sich Feuer
und Brand, was Gott
der Allmächtige nach seinem göttlichen Willen gnädig
verhüten wolle, es wäre bei Tag, oder Nacht, sich erhebt und
ereignet".
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Alarmierung im Mittelalter
Die vier Haupttürme
der Stadt (Klingenturm, oberer Turm, Brückenturm und Taubenturm)
waren tagsüber ständig mit
Wächtern besetzt. Die hoch über den Dächern wohnenden
Türmer mussten ständig Ausschau halten und entdeckten
daher von ihrer hohen Warte aus zunächst, wenn ein Brand ausgebrochen
war. Wurde ein Brand entdeckt, musste
der Türmer sofort in sein Horn blasen und zwar so lange, bis der
Kirchner, der neben der Stadtkirche seine Wohnung
hatte, die Glocke "zum Sturme" schlug. Der Ausdruck, daß beim
Brand "gestürmt" wird, hat sich weit bis in unsere
Zeit hinein erhalten.
Sobald der Kirchner
die Glocke betätigte, wobei die Grosse (Bürgerglocke) für
Brände in der Stadt das Signal gab,
während für Auswärtsbrände die "Mittagsglocke"
benutzt werden musste, haben die Türmer sofort wieder mit ihrem
Hornsignal einzusetzen, wenn "noch an einem anderen Ort der Stadt Feuer
zu sehen war, oder vor der Stadt sich
Leute mit ungewahrsamer Gefährlichkeit sich sehen ließen".
Diese Bestimmung war ganz auf Kriegszeiten zuge-
schnitten, zumal es ja zu den Hauptwaffen der Angreifer gehörte,
den "Roten Hahn auf das Dach zu setzen".
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Der Rote Hahn
Dem Kirchner musste
während des "Stürmens" zwei bis drei Bürger als Gehilfen
zur Ablösung dienen. Er musste
nämlich zwischenzeitlich auf die Zinnen des Turmes klettern und
dort bei Tage in einen schwenkbaren Haken eine
rote Fahne, oder bei Nacht eine rote Laterne einhängen, damit
man sehen konnte, in welcher Richtung der Brandplatz
lag. Es konnten sich also sofort die Löschmannschaften an diesem
Signal orientieren. Um die Löschmannschaften
bei stockdunkler Nacht einsetzen zu können, eine Stadtbeleuchtung
war damals noch unbekannt, waren an vielen
Hausecken Pechpfannen befestigt, wobei jeder Hausbesitzer dafür
Sorge tragen musste, dass die Pechringe jederzeit
einsatzbereit waren. Vom Jahre 1600 an mußte der "Schlotfeger"
diese Kontrolle durchführen. Einer der Gehilfen
des Kirchners hatte dafür zu sorgen, dass die Pechpfannen in Richtung
gegen das Brandobjekt angezündet wurden,
damit die Wasserführer den Weg fanden. Im Kriegsfall mußten
sämtliche Pechpfannen sofort, wenn der Feind sich
näherte, angebrannt werden.
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Löschgerät "Feuereimer"
Nach der "Feuerordnung"
musste im Alarmfall der erste und zweite Bürgermeister sofort auf
das Rathaus sich
begeben und dort zusammen mit den Stadtknechten die Verteilung der
Feuereimer beginnen. Bürger, die selbst
eigene Eimer hatten, brachten diese mit. Die Feuereimer, aus dickem
Leder gefertigt, waren noch z. Zt. der
Gründung der Ochsenfurter Feuerwehr im Jahre 1868 im Gebrauch.
Wie eine Notiz im Protokollbuch des Jahres
1918 zeigt, wurde im ersten Weltkrieg ein Großteil der Feuereimer
ein Opfer der Zeit, sie wurden nämlich zum
Besohlen von Schuhen verwendet.
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Alarm- und Ausrückeordnung
Während nun die
Feuereimer auf dem Rathaus ausgeteilt wurden, hatten sich die Schröter,
Kornmesser und
Sackträger zum alten Rathaus zu begeben, wo sechs bis acht Feuerleitern
und Einreißhaken lagerten, die diese
herbeischaffen mußten; wobei sie nach der Feuerordnung diese
"zum Feuer tragen und beim Löschen und Dämpfen
mit möglichstem Fleiß" einsetzen mussten. Mit dem Alarmruf
mussten sich dann auch die "Kärrner" und alle,
welche eigene Pferde hatten, zum Brandplatz begeben. Diese führten
ein regelrechtes Wettrennen zum Brandplatz
durch, denn derjenige, der zuerst am Brandplatz erschien und ein gefülltes
Gefäß mitbrachte, "der soll einen Gulden,
der nächste einen halben und der Dritte einen Viertelgulden Ortswährung
erhalten", wie es die Feuerordnung bestimmte.
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Tanklöschfahrzeug
Als Gefäße
standen große Kupferkessel an den öffentlichen Brunnen bereit,
die auf hölzerne Kufen montiert
waren und gleich einem Schlitten durch die Straßen gezogen wurden.
Hier haben wir also die ersten Tanklösch-
fahrzeuge in unserer Stadt schon im Mittelalter. Aus den am Brandplatz
angefahrenen Wasserkesseln wurde
nun mit den Ledereimern mittels einer Eimerkette das Wasser an das
Brandobjekt herangebracht und nach
Kräften bekämpft.
zurück
Der Löscheinsatz, die Wasserversorgung
Währenddessen
sorgten andere Eimerketten, die zum nächsten Brunnen gebildet wurden,
für das Auffüllen
der Wasserkessel. Alarmiert waren mit dem "Stürmen" aber auch
die Stadtmeister, namentlich: Zimmerleute,
Steinmetzen, Mauerer, Schmiede und Schlosser, die sich mit "Waffen
und Werkzeugen, welche man beim Brand
verwenden konnte, zum Feuer zu begeben und zu Löschen und zu Dämpfen
nach Möglichkeit" auszurüsten hatten.
Die Brunnenmeister mußten "Eimer, Kästen, Korngelten, zum
Brunnen wälzen", wobei sich als Wasserschöpfer
jeweils zwei bis sechs Leute aus der Nachbarschaft, die sich gegenseitig
ablösten, einzufinden hatten. Wenn
man bedenkt, dass die Brunnen eine durschnittliche Tiefe von etwa 25
Meter hatten, während in denselben
vielleicht in den günstigsten Fällen das Wasser 8 bis 10 Meter
hoch stand, so kann man sich die Mühe vorstellen,
welche die Wasserförderung mit sich brachte.
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Die Feuerordnung anno 1518
Wer von den Bürgern
nicht eine "besonders verordnete Funktion" hatte, musste unter Berufung
auf seine Bürgerpflicht,
sich entweder einen Eimer holen, oder ein eigenes Geschirr mitbringen
und "Löschen, als ob das brennende Haus
das eigene wäre". Auch mussten "alle Weiber, Knechte und Mägde
mit Putten Wasser tragen" und auch der "Bader
und sein Ehehalt" hatte mit seinen Instrumenten und einer Gelden zum
Brandplatz zu eilen". Er soll "helfen aufs Best
und wenn an seinem Gerät Schaden wird, so wird er wieder gut gemacht".
Keiner von allen durfte mit der Löschtätigkeit
aufhören und den Brandplatz nicht eher verlassen, bis er dazu
befohlen wurde "es sei denn, dass sein, oder des
Nachbarn Haus zu brennen anfängt, dann dar er Hilfe leisten."
Wenn nun, wie hier
beschrieben, das Ausbrechen eines Brandes praktisch die ganze Bürgerschaft
in Bewegung setzte,
so sorgte die vorgeschriebene "Feuerordnung" dafür, dass der Einsatz
sinnvoll und zweckmäßig geschah, darüber
hinaus waren jedoch der Schultheiß, die beiden Bürgermeister,
die Ratsherren und der Stadtschreiber dazu verpflichtet,
"das Volk zweckmäßig zu bereden und überall Aufsicht
zu führen". Weiter mussten sie darauf auchten, dass "ohne
Befehl kein Gebäud eingerissen wird".
Schliesslich sollten
"alle Zuschauer ernstlich zur Arbeit ermahnt werden und ein Feiern keineswegs
gestattet sein".
Die Bäcker und die Büttner, so wie auch andere Berufe, die
ein offenes Feuer hatten, durften nicht zum Brandplatz,
sondern mussten ihren eigenen Herd bewachen, ebenso die Gastwirte,
wobei den Wirten noch auferlegt war, "sowohl
Wirt wie Gastgeber soll Acht haben auf ihre Gäste, sie nicht herauslassen
und gut beobachten".
"Bürger, die in
der Nähe des Brandplatzes wohnen, sollen nicht nachsehen, ob die
Wand noch kalt sei, sondern
Löschen und Dämpfen mithelfen". Ist aber die Wand heiss,
so sollen sie mit Wasser dämpfen und zusammen
mit dem Ehehalt Aufsehen haben, dass das Feuer nicht übergreift."
Die Stadtmannschaft
hatte sich, sobald der Feueralarm ertönte, mit voller Wehr einzufinden.
Es wurde immer ein
Jahr vorher bestimmt, wer in voller Wehr zu erscheinen hat.
Sie sollten dann mit
dem Schultheiß und dem Bürgermeister gehen und "wo sich etwas
ungefähr erregen tät,
demselben mit starker Hand Widerstand leisten". Die Viertelmeister waren
in der Zwischenzeit ebenfalls
unterwegs, um "zu verhüten, dass während der Feuersbrunst
nicht gestohlen wurde." Wir sehen also, dass
wirklich, oft bis in die kleinste Einzelheit, alles für den Brandfall
in der Feuerordnung von 1518 niedergelegt war,
so dass diese alte Vorschrift, mit wenigen Ergänzungen, die sich
hauptsächlich auf die im Jahre 1720 bis 1750
angeschafften Feuerspritzen bezogen, bis hin in das Jahr 1868 unverändert
Geltung hatte und genügte.
Die erste Spritzenmannschaft,
die noch mit Lederschläuchen arbeitete, setzte sich im Jahre 1736
wie folgt
zusammen:
1. Zum Schlauch dirigieren:
Andreas Räuschlein und Phillip Imhoff
2. Schlauchwarte:
die beiden Schumacher Kaspar und Jakobus Schwarz
3. Die Wächter des Kupfer- und Eisenwerkes:
die Schlosser Hans und Jörg Hurl.
Im Jahre 1800 wurde
in der Feuerordnung aufgenommen, dass die Schiffer, wenn der Main zugefroren
ist, immer
dafür sorgen müssen, dass ein Loch im Main offen gehalten
wird. Die neue, grosse Feuerspritze, die man 1736
angeschafft hatte, wurde bis im Umkreis von zwei Meilen auswärts
eingesetzt. Sie wurde von 14 Mann bedient;
drei waren "zum Bedienen der Röhren und Schwanenhäls und
zum Hahnen dirigieren" abgeteilt, wobei als Lohn
eine Maß Wein und ein Weck ausgesetzt war. Bei Auswärtsbränden
waren "14 Feuerläufer" eingesetzt.
zurück
Neubeschaffungen anno 1845
Im Jahre 1845 beschaffte
die Stadt Ochsenfurt eine große Feuerspritze, die man in Nürnberg
für 1244 Gulden
gekauft hatte. Weiteres Inventar war in diesem Jahr: eine mittlere
und eine kleinere Feuerspritze (alle drei zum
Bespannen), dazu ein großer Feuerwagen, zwei Handspritzen, fünf
kupferne Kessel auf Rutschen, 81 lederne
Feuereimer, neun Feuerhaken und neun Feuerleitern.
Die Spritze aus dem
Jahr 1845 verrichtete ihren Dienst bis 1913, und wurde dann verkauft,
wobei man von
ihrem Erlös eine neue Leiter anschaffte. –
Das Feuerlöschgerät
aus alter Zeit wird heute noch in einigen Exemplaren im Stadtmuseum und
im Feuerwehrhaus
aufbewahrt, so dass man sich heute noch eine Vorstellung machen kann,
mit welchen Geräten seinerzeit die
Feuerbekämpfung durchgeführt wurde.
zurück
Neufassung der Feuerordnung 1845
Im Jahre 1845 wurde
die Feuerordnung, nachdem sie über Jahrhunderte Gültigkeit
hatte, neu zusammengestellt
und vom Stadtrat verabschiedet. Auch diese Feuerordnung geht noch davon
aus, dass es Pflicht aller Bürger ist,
bei Bekämpfung von Bränden mitzuwirken. Während die
aus dem Mittelalter stammende Feuerordnung in erster
Linie die Brandbekämpfung in der Stadt betraf, da man ja kaum
Interesse an einer Brandbekämpfung über die
eigenen Mauern hinaus hatte, hat die neue Verordnung von 1845 schon
vorgesehen, dass bei Bränden in den
Nachbarorten Hilfe geleistet werden muss.
Der Feueralarm bei
Bränden innerhalb der Stadt wurde nach wie vor durch „Stürmen“
mit der Bürgerglocke von
der Stadtpfarrkirche St. Andreas aus gegeben. Auf dieses Signal hin
war es „jedem Bürger Pflicht, sogleich zur
Hilfe zu eilen“. Die Bürger, denen die Löschordnung einen
bestimmten Platz zugewiesen hatte, mussten sich an
der entsprechenden Stelle mit ihrem Gerät einfinden. Alle
übrigen, insbesondere die Erwachsenen der
Familienangehörigen hatten bei der Arbeit des Wassertragens mitzuhelfen.
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Neuordnung der Löschordnung
1845
Die Löschgeräte
waren in der Rathaushalle und in der oberen Spitalhalle untergebracht.
Pferdebesitzer mussten
die Löschmaschinen Nr. 1 bis 4 aus ihrem Verwahrungsort holen
und nach Anweisung des Kommandanten
zum Brandplatz in der Stadt, oder in die nächstgelegene Ortschaft
fahren. Bei strengem Frost mussten
alle Bierbrauer,
Essigsieder, Färber, Seifensieder und Metzger ihre größten
Kessel mit warmen Wasser bereit
halten.
Man bedenke, dass
die Wasserleitung erst im Jahre 1908 im Stadtgebiet verlegt worden ist
und bis dorthin die
Wasserbeschaffung, insbesondere auch im Winter bei der Feuerbekämpfung
große Schwierigkeiten mit sich
brachte. Gleichwohl hat der Protokollführer der Feuerwehr noch
im Jahre 1890 vermerkt, dass seines Wissens
niemals bei Bränden in der Stadt Wassermangel geherrscht habe.
Ein Zeichen dafür, dass die Beschaffung des
Wassers außerordentlich gut organisiert gewesen sein muss.
zurück
Größere Einsätze
1861 / 1864
Bei Durchsicht der
bis in das Mittelalter hineinrechenden Archivalien konnte man feststellen,
dass die Stadt
Ochsenfurt sowohl in Friedens- als auch in Kriegszeiten, vor größerem
Schadensfeuer bewahrt blieb. Vielleicht
war hierdurch auch die Wachsamkeit etwas im Laufe der Jahre vernachlässigt
worden. Jedenfalls, man feiere
gerade Allerheiligen 1861, brach ein schweres Schadensfeuer aus. Die
Hintergebäude des Gasthauses „Zur
Post“ waren in Brand geraten, der sich auf die anschließende
Schafscheune, ein großer Doppelbau, ehemals
die sogenannte Rossmühle und auf weitere Gebäude ausdehnte
und sie in Schutt und Asche legte. Der Chronist
berichtet darüber: „Eine große Menge Brennstoff, riesige
Gebälkelager, Massen an Futtervorräten und sonstiges
brennbares Material nährte die Flammen. Eine riesige Lohe stieg
auf zum Himmel. Grell beleuchtete diese die
Umgebung.
Ein schaurig schönes
Bild.
Am 16.03.1864 war der
wertvolle „Schwedensaal“ im Hause des Kaufmanns Paul Weigand, ein unersetzliches
Stück alt Ochsenfurter Baugeschichte, ein Opfer der Flammen geworden.
Der damalige Bürgermeister und
Landwehroberst, Peter Weigand, und seine Ehefrau konnten nur unter
großer Mühe aus dem brennenden
Haus gerettet werden.
Am 25.08.1865 brannte
in Ochsenfurt die Johann-Gehringsche-Brauerei und es entstand ganz erheblicher
Schaden.
Diese drei schweren
Schadensfeuer innerhalb von drei Jahren waren wohl der Anstoß,
dass man sich der
Feuerbekämpfung wieder mehr annahm.
zurück
Vorgeschichte der eigentlichen Gründung
der FFOchsenfurt
Aus den Akten des Männerturnvereins
Ochsenfurt aus dem Jahre 1862 ersehen wir, dass die Männerturnvereins-
Mitglieder: Weigand, Feßenmayer, Albert Reuss, Riegel, Schmitt,
Hofmann und Herbig, einen Ausschuss gebildet
hatten, mit der Aufgabe, „schnell und rege die Gründung einer freiwilligen
Feuerwehr zu verwirklichen“. Man holte
sich die Dienstvorschriften der Turnerfeuerwehr Landsberg (1861), der
Feuerwehr von Stadt Mergentheim (1861)
und der freiwilligen Feuerwehr Bamberg (1862), um die Unterlagen für
eine solche Gründung zu studieren. Am
17.04.1864war man dann soweit, dass man die Stadt um Unterstützung
bat. Es sollte das Löschgerät, das
vorhanden war, zum Gebrauch überlassen werden und neues Feuerlöschgerät
dazu angeschafft werden, auch
sollte die bestehende Feuerlöschordnung, welche auf die Basis der
Pflicht gestellt war, dahin abgeändert werden,
dass jeder Bürger, welcher zur freiwilligen Feuerwehr übertreten
wollte, von der bisherigen Verpflichtung im
städtischen Löschdienst entbunden werden sollte.
Die Stadtväter
wollten jedoch die Pflichtfeuerwehr noch so lange beibehalten, bis feststehe,
dass die Kräfte der
freiwilligen Feuerwehr ausreichten, und sie auch den auswärtigen
Dienst, also die nachbarliche Löschhilfe in den
umliegenden Orten übernehmen können. Allerdings verlief, trotz
größtem Eifers des Ausschusses, die
Gründungsversammlung am 07.05.1864 nicht erfolgreich, da sich nur
24 Turnvereinsmitglieder zum Beitritt
zur freiwilligen Feuerwehr bereit erklärten. Der erste Versuch
zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr war
damit erfolglos verlaufen.
zurück
Gründung der freiwilligen Feuerwehr
Ochsenfurt 08.11.1868
Einige Mitglieder des
früheren Gründungsausschusses, nämlich Albert und Herbig,
sowie die Herren Jungkunz,
Nenninger und Seitz griffen am 18.10.1868 erneut den Gedanken der Gründung
einer freiwilligen Feuerwehr
auf. Diesmal setzte man eine Hausliste in Umlauf und 102 Einwohner trugen
sich ein, so dass die
Generalversammlung vom 08.11.1868 erfolgreich verlief.
Original-Gründungsprotokoll
von 1868
|
Übersetzung
Ochsenfurt den
12. November 1868
Gründungs-Protokoll
Mit dem Heutigen
gelangte
auch hier
die Durchführung
einer Freiwilligen
Feuerwehr zur
vollendeten
Tatsache, nachdem die
hierzu nötigen
Schritte von einem
in der ersten
Versammlung
am 18. Oktober
1868 gewählten
Komitee
geschehen waren.
Das Letztere
bestand
aus den Herren:
Albert
Herbig jr.
Jungkunz
Nenninger und
Seitz
Die von diesem
Komitee
entworfene
Feuerlöschordnung
sowie Satzungen
Dienstesvorschriften,
bei deren
Ausarbeitung
und Anbahnung
|
|
an die städtische
Löschordnung
sich insbesondere
H. Stadtschreiber
Mainzinger mit
regem Eifer tätlich
beteiligten,
wurden unterm
8. November 1868
von der
Generalversammlung
für
gut befunden
und angenommen,
worauf sofort
die Wahl
der beiden Kommandanten
sowie den übrigen
Chargierten
durch die bereits
festgelegten
einzelnen Abteilungen
vorgenommen wurde.
Das Wahlergebnis
war
das der
derzeitigen
Feuerlöschordnung
unter Abteilung
A beigefügte.
Der durch diese
Wahl gebildete
Ausschuß
und resp. durch
|
|
Beitritt
zweier Magistrats-
mitglieder -
Verwaltungs-
ausschuß
betätigte sofort die
Anschaffung der
Requisiten
und Ausrüstungsgegenstände,
welche Dank den
Vätern der
Stadt in Folge
Flüssigmachung
des hierzu
unbedingt nötigen
Kapitals
so schnell in
Ausführung
gebracht werden
konnte,
dass bereits
am 1. Januar
1869 nach Empfang
der
Ausrüstungen
und einigen
kleineren Übungen
die
Feuerwehr in
den Stand
gesetzt war,
dem Magistrate
Die Übernahme
des Feuer-
löschdienstes
in hiesiger Stadt
und dem
hierzu gehörigen
Bezirke
von diesem Tag an
anzuzeigen.
Für
die Richtigkeit
Herbig
Kommandant
|
Die Satzungen wurden
angenommen, Kommandanten und Chargierte gewählt. Der 1. Kommandant
der freiwilligen
Feuerwehr Ochsenfurt wurde Georg Herbig jun. und zum 2. Kommandant wählte
man den Bauführer C. Nenninger.
Erster Zugführer war Büttnermeister Michael Pappenberger,
Kolonnenführer Adam Seitz, A. Engert, Karl Jungkunz
und Malermeister Alois Hofmann. Zum ersten Zeugwart wurde der Büttnermeister
Kilian Lindwurm bestellt, zum ersten
Chargierten der Weinhändler Konrad Gresser, 1. Sekretär
J.B. Metzger (genannt Bäckenpeter). Weiter berief man
noch folgende Bürger zu Führerstellvertreter Schmitt, Kleinschrodt,
Michael Aurich, Michael Kohlenberger, Gastwirt
Martin Oechsner. u.G.A. Schimmer.
(Klick mich)
Die Mannschaften wurden
eingeteilt ein: Spritzenmänner Nr. 1 und 2, Retterrotte 1 und 2,
Steigerrotte 1 und 2, dazu
kamen 2 Signalisten und 3 Tamboure. Als Gerät hatte die junge
Wehr: die Spritzen Nr. 1 und 2, während die Spritzen
Nr. 3 und 4 der immer noch, neben der freiwilligen Feuerwehr bestehenden
Pflichtmannschaft vorbehalten blieben.
zurück
Die Feuertaufe der neu gegründeten
Wehr
Bereits am 10.12.1868
hatte die junge Wehr ihre Feuertaufe. Bei dem Winzer Andreas Hofmann,
in der Nähe
der katholischen Pfarrkirche, war ein hartnäckiges Hochfeuer
ausgebrochen. Die Brandbekämpfung gelang und
der damalige Stadtpfarrer Riegel spendete für dein Einsatz "als
erste freiwillige Gabe", wie es vermerkt ist, 20
Gulden.
zurück
Der erste Übungsdienst 1869
Im Januar 1869 rückte
die Wehr zu ihrem ersten Übungsdienst aus. Es war für die Ochsenfurter
Bürger eine
Freude, den stattlichen Zug von Feuerwehrmännern zu sehen: 61
Spritzenmänner, 28 Steiger, 28 Retter, an
der Spitze drei Tamboure und 2 Signalisten, drei Chargierte, also zusammen
125 Mann rückten zum Übungsplatz
auf dem ehemaligen Viehrasen, am unteren See, aus. Dies war die erste
Feuerwehrübung, die die Bevölkerung
sah, nachdem ja die Pflichtfeuerwehr früher offenbar derartig organisierte
Übungseinsätze nicht kannte.
Mit dem 01.01.1869
war auch die Tätigkeit der früheren Pflichtfeuerwehr eingestellt
worden, den "auswärtigen
Dienst" übernahm eine 24 Mann starke Rotte freiwilliger Feuerwehrmänner,
unter dem Zugführer Michael
Pappenperger.
zurück
Was hatte nun diese junge Mannschaft
für Geräte?
Die alten, schwerfälligen
Leitern, die noch aus dem Mittelalter stammten, und immer noch in Gebrauch
waren,
wurden nur nach und nach durch handliche Standleitern ersetzt. Angeschafft
wurde: eine Schubleiter, sowie
eine Dach- und Steigeleiter. Dazu erwarb man, für 31 Gulden, einen
Rettungssack. Die Uniformstücke fertigte
ein hiesieger Handwerksmeister. Die Dienströcke bestanden aus dunkelblau-gestreiftem,
baumwollenem
Blusenstoff. Dazu wurde ein Gurt mit Karabinerhaken, sowie eine Beiltasche
getragen.
Zu den Lederhelmen
fertigte der Spenglermeister Metzger die Helmbeschläge.
Das erforderliche Lederzeug
und die Leinen wurden vom Sattlermeister Fritz und Martin Riedel und Seilermeister
Vollmut geschaffen.
Die Beile lieferte
der Schlossermeister Schmitt. Bemerkenswert ist noch, dass man 150 ausgemusterte
Militärhelme zu je 18 Kreuzer angekauft hatte und damit schon damals
Sparsamkeit übte.
zurück
Der erste Auswärtsbrand 07.06.1869
Den ersten Auswärtsbrand
bekämpfte am 07.06.1869 die freiwillige Feuerwehr Ochsenfurt in Frickenhausen,
wobei der Feuerwehrchronist bemerkte, dass man „die Ochsenfurter“ im
Vorgehen zu hindern suchte und einen
absichtlich losgetretenen Kamin auf die Steigermannschaft niederwarf,
wobei der Steiger Robert Metz auf der
Schubleiter verletzt wurde. Wenige Monate später gab es einen
weiteren Verletzten, als der neu angeschaffte
Rettungssack abriss und der Wehrmann Ignatz Ebert in den „Krämergarten“
stütze.
zurück
Gründung einer Feuerwehrunterstützungskasse
Um wirksame Hilfe für
verunglückte Feuerwehrkameraden zu schaffen, beschloss man, der eigens
zur Sicherheit
der Feuerwehrleute geschaffenen Kasse beizutreten, wobei ein Jahresbeitrag
von 12 Kreuzer zu entrichten war.
Diese Feuerwehrunterstützungskasse wurde bis zur Inflation im
Jahre 1923 als offenbar die Kapitalien mit der
Geldentwertung verloren gingen, von allen Mitgliedern beibehalten.
zurück
Ära der Modernisierung
In den folgenden Jahren
verbesserte die freiwillige Feuerwehr Ochsenfurt nicht nur ihren Ausbildungsstand,
sondern es wurden auch die Geräte ständig ergänzt und
moderne angeschafft. Darüber hinaus erkannt man,
dass die in der freiwilligen Feuerwehr zusammengeschlossenen Kameraden
auch gesellschaftlich in Erscheinung
traten. Nicht nur die Familienfest, die die Kameraden feuerten, wurden
durch Fackelzüge, oder
Gesangsdarbietungen verschönert, man trug auch, in voller Uniform,
verstorbene Kameraden zu Grabe.
Auch wenn Feierlichkeiten weltlicher oder geistlicher Art auf der
Tagesordnung standen, fehlte nicht die
Feuerwehr in ihrer schmucken Uniform, um durch ihre Anwesenheit ihre
Teilnahme am Stadtgeschehen zu
dokumentieren.
zurück
10jähriges Bestehen 1879
Am 26.10.1879 feierte
die freiwillige Feuerwehr Ochsenfurt das 10-jährige Bestehen. Eine
Geräteausstellung,
wobei die für 730 Mark angeschaffte „mechanische Schubleiter“ Bewunderung
erregte, und ein vom Kupferschmied
Wilhelm Schauffler gefertigter „Wassersauger“, der mit einer Leistung
von drei Eimern Wasser je Minute die
rasche Wasserbeschaffung förderte, zog viel Volk an.
zurück
Beitritt zur Sterbekasse 1882
Im März 1882 trat
die Wehr geschlossen der neugegründeten Sterbekasse unterfränkischer
Feuerwehren bei,
so dass auch in dieser Richtung die Wehrmänner Sicherheit für
Ihre Angehörigen geschaffen hatten.
zurück
Größere Schadensereignisse
1883
Am 11.01.1883 abends
gegen 18.00 Uhr brach im Bärenbräu ein „gewaltiger Darrenbrand“
aus. Dank des
Einsatzes der Feuerwehr gelang es, ein Ausbreiten des Feuers auf die
Nachbarschaft zu verhindern. Der
tapfere Einsatz der Feuerwehr bei diesem Brand, dürfte der Anlass
gewesen sein, dass der damalige
Bezirksamtmann Heider einen Ehrenpokal stiftete, der „ein Maß
und ein Schoppen“ Inhalt hatte und von
den Kameraden mit „Mundstück“ bezeichnet wurde, das man bei festlichen
Anlässen gerne an den Mund
setzte, und leerte. Über den Verbleib dieses Pokals ist leider
nichts bekannt geworden.
zurück
Gründung einer Sanitätskolonne
Bei der Generalversammlung
am 31.01.1886 wird erstmals die Mitgliederzahl wieder aufgeführt,
wobei 131
Aktive, 84 Reserve, als 215 Mitglieder gezählt wurden. Damals beschloss
man auch, der Wehr eine
Sanitätsabteilung anzugliedern, wobei Herr Dr. Grub zum Kolonnenführer
gewählt wurde und die Kameraden
Franz Schott, Bernhard Ulrich, Johann Wagner, Philipp Pappenberger
und Georg Gram sowie Michael
Engert den Sanitätsdienst übernahmen.
zurück
Der erste größere Waldbrand
Am 13.05.1888 bekämpfte
die Wehr den ersten, größeren Waldbrand. Im sogenannten „Hübnerholz“
war eine
Fläche von drei bis vier Tagewerk in Brand geraten. Auch diese
schwierige Aufgabe wurde von den Wehrmännern
gemeistert.
zurück
Die neue Dienstkleidung 1890
Am 31.04.1890 rückte
die Wehr zum ersten Male im neuen Dienstrock aus: schwarzes Tuch mit roter
Einfassung.
Diese Kleidung war so stabil, dass sie sich teilweise noch bis in die
heutige Zeit in Einzelstücken, die noch
in Gebrauch sind, erhalten hat. Die Uniform kostete pro Mann 14 Mark.
zurück
Umbesetzung in der Wehr 1901
Bei der Generalversammlung
1901, die mit einem „Hochruf auf den Prinzregenten Luitpold“ endete, wurde
die stattliche Zahl von 489 aktiven und passiven Mitgliedern gezählt.
Die Einteilung der Wehr in Zügen
wurde erstmals erhoben. 2 Steigerführer, 2 Retterführer
und 4 Spritzenführer sollten den neuen Zügen
vorstehen. Kommandant Oechsner Martin, sowie Dehner Fritz und Kaspar
Weippert, die schon immer
zu den Führern der Wehr zählten, genauso wie der Justizsekretär
Michael Löhr wurden wieder in den
Vorstand berufen.
zurück
Wichtige Ereignisse von 1902 bis
1913
Am 06.03.1902 kam es
wieder zu einem Großbrand. Ein historisches Gebäude, der ehemalige
„Stift
Burkard´sche Kastenhof“, eines der größten Profangebäude
der Stadt, das dem Getreidehändler Josef
Öchsner gehörte, und etwa um 1500 erbaut worden sein dürfte,
brannte völlig aus. Hiermit sank wieder
ein Stück Altochsenfurt in Asche.
Im Mai 1907 gab es
gleich zwei Großbrände. Am 17.05. früh 8.00 Uhr brannte das
Anwesen Dorsch in
der Sterngasse und am 22. Mai die Anwesen Leuerer, Brandner und Benkert
in der Würzburger Straße.
Am 21.08. des gleichen
Jahres fielen die benachbarten Anwesen des Maurermeister Adam Hanika
und
des Schlossermeister Philipp Belschner den Flammen zum Opfer.
In der Generalversammlung
am 13.02.1910 übernahm der Rauhwarenhändler Josef Aurich das
Amt des
ersten Kommandanten der freiwilligen Feuerwehr, welches er bis zum Jahre
1933 innehatte. Der langjährige
Kommandant Martin Oechsner, der von Josef Aurich abgelöst wurde,
starb noch im gleichen Jahr und
wurde, ebenso wie sein Vorgänger Herbig, unter großer Anteilnahme
zu Grabe getragen.
Bis in das Jahr 1913
wurde dann die Stadt vor größeren Bränden verschont,
jedoch am 21.04.1913 wurde
in der oberen Klingengasse bei Breunig und am 13. August in der Reedersgasse
bei Schmiedemeister
Georg Zehnter ein Feuer entdeckt. Der Chronist der freiwilligen Feuerwehr
hielt dabei fest, dass die
„Wasserleitung, die im Jahre 1908 in der Stadt verlegt wurde, die Brandbekämpfung
wirksam unterstützte“.
Von diesem Zeitpunkt an wurden die alten Feuerspritzen außer
Dienst gestellt, denn mit dem Druck der
Wasserleitung rückte man die Flammen wirksamer zu Leibe, als
mit den von Hand betriebenen Spritzen.
zurück
Das 50jährige Jubiläum
Die Kunst der Mitglieder
der Ochsenfurter freiwilligen Feuerwehr Feste zu gestalten, da sich von
jeher viele
freiwillige Kameraden fanden, um die Ausgestaltung vorzunehmen, hätte
mit Sicherheit das 50jährige
Jubiläum der Gründung der freiwilligen Feuerwehr Ochsenfurt,
welche im Jahre 1918 fällig war, zu einem
großartigen Fest gedeihen lassen. Damals schrieb jedoch der Chronist,
dass man „infolge des ernstes
der damaligen Zeit von einer Feier des 50jährigen Bestehens absieht“.
In der Ausschusssitzung wurde
einstimmig beschlossen, ein feierliches Requiem abzuhalten und einen
Kranz am Kreuz im alten Friedhof
niederlegen zu lassen. Lediglich der Stadtmagistrat von Ochsenfurt
stiftete aus Anlass des 50jährigen
Bestehens der Wehr einen Betrag von RM 500,-- zu Gunsten des Unterstützungsfonds.
Die weltliche
Feier sollte der Zeit nach dem Kriege vorbehalten bleiben.
Der Pflichteifer der
Ochsenfurter Feuerwehrmänner ließ jedoch auch, trotz der schweren
Zeiten nach
dem ersten Weltkrieg, nicht nach. Es hatte 1923 die Inflation alle
Gelder aufgezehrt, doch begann man
gleich wieder mit der Bildung einer Unterstützungskasse für
die Feuerwehrmänner. 1926 hatte die Wehr
146 Mitglieder. Es wurden einen neue Rauchschutzabteilung in diesem
Jahr der Wehr angegliedert.
Auch wurden 100 Minimaxfeuerlöscher, teils über die wehr
und teils privat, angeschafft, man versprach
sich von diesem neuen Gerät eine Bekämpfung der Zimmerbrände,
die in den 20iger Jahren und in der
folge, immer häufiger ausbrachen. Es ist möglich, dass der
allgemeine Übergang von Holz als Brennstoff
zur Kohle, die oft aus sehr alter Zeit stammenden Kamine, die noch
oft von Holzbalken durchzogen
waren, da und dort zum Brandherd werden ließ. Die für 1300
Mark angeschaffte neue Leiter kam
gerade recht, um beim 60jährigen Stiftungsfest im Jahre 1928 bei
der Geräteschau vorgeführt zu
werden. Die Wehr zog damals außer den Steigern mit vier Hydrantenabteilungen,
einer Rauchschutz-
abteilung, einer Sanitätsabteilung und Ordnungsmannschaft unter
klingendem Spiel durch die Stadt,
wobei die Trommler und Fanfarenbläser von der Stadtkapelle gestellt
wurden.
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Feuerschutzpolizei
Das Zeitalter der Motorisierung
brachte es mit sich, dass im Jahre 1930 die Feuerwehr für RM 6500,--
eine Motorspritze anschaffte, mit Zubehör und 360 m Schlauchmaterial,
da offenbar die bisher verwendeten
Schläuche dem starken Druck der Spritze nicht gewachsen waren.
Beim Brand des Wohnhauses Wunderlich
wurde sie erstmals der Feuertaufe unterzogen. Im Jahre 1933 kam es im
Steinwerk Krämer zu einem
Maschinenhallenbrand, wobei eine Pressluftflasche explodierte.
Das eingreifen der Feuerwehr verhütete
größeren Schaden.
Das Jahr 1933 brachte
die neuen Machthaber des dritten Reiches. Die große Feuerwehrfamilie,
welche
mit ihrem Kommandanten jahrzehntelang eine enge Gemeinschaft bildete,
musste es erleben, dass die
beiden hochangesehenen Persönlichkeiten, nämlich der erste
Kommandant Aurich und der zweite Kommandant
Stephan Mayer, unter dem Druck der neuen Herren ihre Ämter niederlegten.
Wie sehr sich die Feuerwehr-
kameraden gegen die Maßnahmen des NS-Stadtrates und der NS-Kreisleitung
wehrten, ergibt sich aus
dem Feuerwehrprotokoll. Notgedrungen gehorchten schließlich die
Kameraden den Befehlen des damaligen
Regimes.
Die Veränderungen,
die nunmehr kamen, waren freilich äußerst tief greifend. Man
begann schon bald die
Feuerwehr auf neue Aufgaben auszurichten, insbesondere wurde sie mit
dem Luftschutz betraut. Im Jahre
1936 erfolgte die Eingliederung der freiwilligen Feuerwehr in die
Feuerschutzpolizei. Das Kommando hatte,
nachdem die Kameraden Aurich und Mayer ihre Ämter niedergelegt
hatten, Kamerad Hummel übernom-
men. Es wurden neue Dienstgrade für die Polizei eingeführt.
Die Führer bekamen besondere Mützen.
Im Jahre 1938 sind bei der Feuerschutzpolizei tätig: ein Hauptbrandmeister,
drei Oberbrandmeister,
drei Brandmeister, acht Löschmeister, dazu eine Reihe von Oberfeuerwehrmännern
und Wehrmännern.
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Das erste Löschfahrzeug für die Ochsenfurter Wehr wurde 1942 beschafft. Es war ein LF 15 von Magirus, das bei allen Einsätzen nach den schweren Luftangriffen zum Einsatz kam. Das Foto entstand nach dem Krieg und zeigt es mit Ludwig Schaub, der auch im Krieg einer der Fahrer des LF 15 war. Das Auto war bis Anfang 1966 im Dienst.
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Ausbruch des 2. Weltkrieges
Am 04.02.1939 wird
Kamerad Karl Sieber zum Hauptbrandmeister ernannt. Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges
übernimmt die Feuerwehr die sogenannte „Verdunklungskontrolle“.
Bekanntlich musste jeder Bürger bei
Beginn der Dunkelheit, damit kein Lichtschein nach außen dringt,
mit Verdunkelungsvorhängen und sonstigen
Vorrichtungen die Fenster verhängen. Der Feuerwehrdienst wurde
als Pflichtdienst deklariert. Übungen,
teilweise im Zusammenwirken mit NS-Organisationen, fanden fast an jedem
Wochenende statt. Von der
einstigen freiwilligen Feuerwehr und deren gesellschaftlicher Stellung,
war nichts mehr übrig geblieben.
Dies sollte sich auch nicht bis zum Kriegsende mehr ändern.
Im Jahre 1939/40 wurde
die Werksfeuerwehr der Zucker-AG Franken unter Führung von Herrn
Arhelger
gegründet. Sie erhielt am 16.12.1940, als um 13.00 Uhr das Sägewerk
Hufnagel (früher Fleischmann)
völlig ausbrannte, die Feuertaufe. Am 20.12.1942 gegen 04.30
Uhr brannte der Klingenturm völlig aus.
Dort war seit 1927 die Jugendherberge untergebracht. Die Brandursache
wurde nicht geklärt. Die Motorspritze
war drei Stunden ununterbrochen bei 22° Kälte in Tätigkeit.
Jemehr sich die Fronten
des Krieges auf das eigene Heimatland zubewegten, umso wütender
schlug
der Feind mit seiner Bomberwaffe bei Tag und bei Nacht zu. Man hatte
bald erkannt, dass in unserer
Gegend mit Nürnberg, Schweinfurt, Aschaffenburg und Würzburg
Ziele feindlicher Luftangriffe werden
würden. Es wurde dann auch im Rahmen der Bildung von Feuerwehrbereitschaften
die Wehr von
Ochsenfurt als Fernfeuerwehrbereitschaft unter Führung von Kreisführer
Erbel eingesetzt. Die Berichte
über die Einsätze sind kleine Kriegsberichte im Kampf gegen
die furchtbare Feuersmacht, die sich beim
Brand unserer Städte in ihrer ganzen schrecklichen Auswirkung
zeigte. Die Ochsenfurter Wehr wurde
im Februar, April und Juli 1944 bei den Angriffen auf Schweinfurt,
im September und Oktober 1944
bei den Angriffen in Acholshausen und Giebelstadt, sowie im November
und Dezember 1944 und
im Jahre 1945 beim Angriff auf Aschaffenburg und Nürnberg, am
16. März in Würzburg eingesetzt.
Unsere Heimatstadt selbst wurde, Gott sei Dank, von der Kriegsfurie
verschont.
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80jähriges Stiftungsfest
Mit dem Ende des dritten
Reiches zogen in der Stadt Ochsenfurt, die unzerstört war amerikanische
Militäreinheiten ein und besetzten die größeren Gebäude
unserer Stadt. Sich brachten auch eine Feuer-
wehreinheit mit, welche zunächst hier ihren Dienst versah. Schon
1946 wurde der seinerzeit zurückge-
tretene Kommandant, Herr Josef Aurich wieder in sein Amt eingesetzt,
musste jedoch aus Gesundheits-
gründen diesen schon nach kurzer Zeit in jüngere Hände
legen. Der Kamerad Josef Aurich wurde am
24.12.1948 zum Ehrenkommandant ernannt und Kamerad Erbel übernahm
das Wehrkommando der
Ochsenfurter Freiwilligen Feuerwehr.
Im Jahre 1951 wurde
eine „stille“ Alarmanlage geschaffen. Eine Reihe von Wehrkameraden erhielten
eine Klingel, die mittels einer „Schleife“ im Brandfall betätigt
wurde. Diese Anlage hat sich sehr gut
bewährt, zumal die Unruhe und der oft unerwünschte Zustrom
von Zuschauern bei Brandfällen hier
eingedämmt werden konnte.
Am 17.04.1952 übernahmen
Herr Michael Mark und Herr Adam Koder die schon seit ihrer Jugendzeit
begeisterte Feuerwehrmänner waren, das Amt des ersten und zweiten
Kommandanten. Ein stattlicher
Gerätepark war damals schon zusammengestellt worden. 1 LF-15,
1 TS-6, 3 Holzleitern, 5 Hydrantenwagen,
Rauchschutzgeräte und weitere, kleinere Geräte, die für
eine moderne Wehr heute unentbehrlich sind.
Hinzu kommen nun noch, auf Anregung des neuen Kommandanten, eine Stahlleiter,
die auf eine Höhe von
17 m ausgefahren werden konnte.
Das erste größere
Fest nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren und der Währungsreform
konnte
die Freiwillige Feuerwehr am 31.7.1949 im sogenannten Gehringspark
feiern. Es gab dort nach langer
Zeit wieder das erste richtige Vollbier. Diese 80jährige Gründungsfest
blieb der Wehr und der
Bevölkerung von Ochsenfurt und Umgebung lange in Erinnerung.
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15 Jahre Spielmannszug
Im Jahre 1955, anlässlich
der Generalversammlung, wurde das älteste Mitglied der Ochsenfurter
Feuerwehr, Herr Josef Deuker, Justizinspektor a.D. zum Ehrenmitglied
ernannt.
Am 16.12.1956 wurde
das neue LF-8 zur weiteren Stärkung der Schlagkraft der Feuerwehr
Ochsenfurt
angeschafft. Zum 90. Stiftungsfest, welches am 21.06.1958 gefeiert wurde,
trug im Festzug der
Fahnenträger die neue Fahne der freiwilligen Feuerwehr voran.
Im Jahre 1963 konnte
der Spielmannszug, der zahlreiche tüchtige Trommler, Pfeifer und
Fanfarenbläser
in seinen Reihen hatte, auf sein 15jähriges Gründungsjubiläum
zurückblicken. Wo der Ochsenfurter
Spielmannszug, mit seinem schneidigen Tambour an der Spitze, in schmucker
Uniform und von Farben
unserer Stadt als Fanfarenschmuck, mit seinem klingendem Schellenbaum
auftrat, wurde Stimmung und
Begeisterung durch herzlichen Beifall offenbart.
Dank der Initiative
des 1. Kommandanten Michael Mark konnten im Jahre 1960 5 Löschgruppen
der
Ochsenfurter Wehr die Leistungsprüfung Stufe I ablegen. In den
Jahren 1961-1966 folgten weitere 5
Löschgruppen. 1964 legten zwei Gruppen die Leistungsprüfung
Stufe II ab. Eine weitere Gruppe folgte
im September 1966. Außerdem konnte 1966 eine Gruppe die Vorstufe
zur goldenen Leistungsprüfung
erwerben. Verschiedene Kameraden nahmen an den Lehrgängen der staatl.
Feuerwehrschulen in
Würzburg und Regensburg teil. Ihnen gilt der besondere Dank der
Wehr. Bereits im Jahre 1961 gelang
es zwei Löschgruppen der Ochsenfurter Wehr das nicht leicht zu
erwerbende „silberne Leistungsabzeichen“
zu erhalten.
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Brand im neuerbauten Kreiskrankenhaus
1966
Am 15.05.1966 wurde
die Wehr, während draußen schönster Sonnenschein herrschte,
zum Brand des
neuerbauten Kreiskrankenhauses in Ochsenfurt gerufen. Der Trakt, welcher
die Operationssäle
Enthält,
war in Brand geraten. Hierbei stellte sich heraus, dass ein Rauchabsauggerät,
welches erst
von Würzburg herbeigeschafft werden musste, fehlte. Durch kameradschaftliche
Zusammenarbeit, wie
man sie bei der Ochsenfurter Wehr gewohnt ist, wurde ohne größere,
öffentliche Mittel in Anspruch zu
nehmen, mit eigenen Händen ein solches Gerät zusammengebaut,
so dass, wenn das Rauchabsauggerät
eingesetzt werden muss, dieses auch bereit steht.
Da die Stadt Ochsenfurt
die Aufgabe und die unermüdliche Pflichterfüllung ihrer freiwilligen
Feuerwehr
erkannt hat, und schon immer die freiwillige Feuerwehr nach Kräften
unterstützt, hat sie, als Zeichen
ihrer Bereitschaft die Wehrmänner zu unterstützen und zu
fördern, am 31.05.1966, nach einjähriger
Bauzeit, ein neues Feuerwehrheim mit Geräteräumen, Schlauchtrockenturm
und Garagen übergeben.
Es ist im ehemaligen Bürgerhof, welcher im Jahre 1528 errichtet
wurde, untergebracht. Dort haben die
Wehrmänner nicht nur den entsprechenden Raum zur Aufbewahrung
und Pflege ihrer Fahrzeuge, es ist
ihnen möglich, in einem nett eingerichteten Gemeinschaftsraum
ihre Veranstaltungen, Schulungsabende
und sonstige Zusammenkünfte abzuhalten. Dass dieses Gerätehaus
zur Ausführung kam, ist nicht
zuletzt ein Verdienst des 1. Kommandanten und Kreisbrandinspektors
Michael Mark, der sich im Stadtrat
und bei den zuständigen
Behörden für den Bau unermüdlich einsetzte.
Bei der Übergabe
des neuen Gerätehauses wurde vom Landkreis Ochsenfurt und von der
Stadt Ochsenfurt
ein neues TLF 16 und ein Ölschadensanhänger übergeben.
Diese modernen Geräte ermöglichten es der
Ochsenfurter Wehr den Gefahren unserer technischen Zeit
wirksam entgegen zu treten.
Für das Gerätehaus
und die neuzeitliche Ausrüstung der Wehr, die erhebliche Mittel beanspruchten,
gebührt besonderer Dank dem Stadtrat mit seinem 1. Bürgermeister
sowie dem damaligen Landrat
mit seiner Kreisverwaltung.
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Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr
Ochsenfurt von der Gründung bis heute
| 1868 |
- |
1872 |
J.G. Herbig |
| 1872 |
- |
1875 |
Alos Hofmann |
| 1875 |
- |
1893 |
J.G. Herbig |
| 1893 |
- |
1910 |
Martin Oechsner |
| 1910 |
- |
1933 |
Josef Aurich |
| 1933 |
- |
1937 |
Heinrich Hummel |
| 1937 |
- |
1946 |
Karl Sieber |
| 1946 |
- |
1946 |
Josef Aurich |
| 1946 |
- |
1952 |
Hans Erbel |
| 1952 |
- |
1972 |
Michael Mark |
| 1972 |
- |
1990 |
Max Mark |
| 1990 |
- |
2002 |
Werner Amend |
| 2002 |
- |
2008 |
Wolfgang Raps |
2008
|
-
|
|
Volker
Heidenblut
|
zurück
|